Archiv für Februar 18th, 2009

18.02.09 - Auf Biegen und Brechen

Beinahe 2 Monate ist es her, dass ich die Heimatfront mit neuen Geschichten aus Tralien versorgt habe und bis vor wenigen Wochen gab es einen guten Grund dafür.
Gut ins neue Jahr gerutscht verbrachten wir noch eine Menge Zeit auf unserer Farm in Innisfail. Da es sich hierbei um ein sehr eintöniges Alltagsgeschehen handelte, hatte ich nicht vor, einen umfangslosen Bericht auf die Seite zu kleckern der im Grunde nur aussagt; “Wir machen immer das gleiche”.
Mit großen Plänen und voller Tatendrang verliessen wir am Morgen des 23.01.09 Innisfail.
Den Blick in den Norden gerichtet wollten wir eine 3 stündige Autofahrt zu einem der ältesten Regenwälder unseres Planeten absolvieren.
8 Stunden später fanden wir uns im 85km entfernten Cairns wieder.
Hoffentlich fällt auf dass wir uns sehr, sehr dorthin bewegt hatten.
Im Vergleich; die beiden Ausflüge vorher, von Innisfail nach Cairns, die wir unternahmen, benötigten etwa 45 Minuten Autofahrt.
Wie gesagt entfernten wir uns am 23.01.09 aus Innisfail, ungefähr 15km weiter begann BuBu herumzueiern und schon im nächsten Augenblick sah ich die ersten Rauchschwaden aus der Motorhaube kommen.
Nachdem wir schnellstmöglich links rangefahren waren kippten wir unsere gesamten Wasserreserven über den kochenden Motorblock. Als sich die Situation beruhigt hatte beschlossen wir unsere Fahrt wiederaufzunehmen. Aber nach geschätzten 3km begann die Kühlwassertemperaturanzeige (schönes Wort!) erneut in die Höhe zu schnellen.
Diesmal kam BuBu vor einer Zuckerrohrfarm zum Stehen.
Wir warteten und warteten und warten aber der Motor wollte nicht abkühlen und ohne weiteres Wasser konnten wir dem Prozeß auch nicht nachhelfen.
Zu unserem Glück, kamen ein paar der ansäßigen Farmer vorbei und begannen unverzüglich uns zu helfen.
Nachdem BuBu auf den Hof geschleppt wurde, versuchten wir mit unseren mangelhaften Englischkentnissen im Bereich ‘Automechanik’ auszudrücken was passiert war.
Ich empfand es als höchst beeindruckend wie die Farmer problemlos feststellen konnten was unser Problem war, wir hatten vergessen Kühlwasser aufzufüllen (Schande über uns!!!). Nunja, wir hatten gewissermaßen schon daran gedacht, leider ist es verwirrend wenn man mehrere Einfüllöffnungen hat und seit Monaten nur den Rücklaufkanister (Heisst das so? Gibts das bei “modernen” Autos überhaupt noch?) kontrolliert.
Nett, wie Australier in ihrem tiefsten Innern nunmal sind, spühlten die Farmer ersteinmal den gesamten kochenden Dreck aus unserem Kühlwassertank, setzten hier und da einen neuen Schlauch ein und füllten das Kühlwasser ordnungsgemäß auf und das alles umsonst.
Voller Dankbarkeit wollten wir unsere Reise fortsetzen, bisher hatten wir auch nur 2 Stunden Zeit verloren, BuBu beschloss jedoch Startschwierigkeiten an den Tag zu legen. Auch dieses Problem lösten die Farmer umgehend indem sie unser Schmuckstück einfach mit ihrem Auto zogen bis BuBu startete.
Erneut probierten wir unsere Reise fortzusetzen, diesmal erfolgreich.
Bis sich nach weiteren 5 Kilometern der Motor erneut verabschiedete. Langsam wurdes lästig.
Wir landeten neben einem Pub wo wir auf einen netten Herren trafen, der nach einer weiteren verlorenen Stunde, unserer Karre nochmals Starthilfe geben konnte.
Im Nachhinein glaube ich dass auf den folgenden Kilometern unser Automobil nur fuhr um uns ein wenige in Sicherheit zu wiegen.
Als wir beinahe überzeugt waren dass Problem behoben zu haben machte BuBu erneut Rast, diesmal Mitten im Nirgendwo.
Alle Bemühungen den Motor in Gang zu setzen waren vergeblich. Hatten wir den Unsterblichen getötet? (hierzulande gelten Toyota Landcruiser als unsterblich)
Wir hatten keine Ahnung wo wir waren und was wir tun sollten, nur ein paar Farmhäuser in der Ferne gaben uns Hoffnung.
In den nächstgelegeneren Häusern war leider keine Person aufzufinden, also marschierte Marvin umher, während ich das Auto bewachte und darauf wartete dass die Leute in den näheren Häusern nach Hause kommen.
Da stand ich nun, irgendwo im Nirgendwo, mit wachem Blick und geschärften Sinnen, welche mich glücklicherweise auf die Hunde aufmerksam machten die zähnefletschend auf mich zugerannt kamen.
Von den “besten Freunden des Menschen” auf unser Autodach gejagt, wartete ich auf eine Verbesserung unserer Situation.
Zur selben Zeit fand sich Marvin als Gast bei netten alten Omis wieder, die ihn mit Gebäck und Getränken versorgten.
Die Renter konnten glücklicherweise einen Abschleppdienst kontaktieren der bereit war uns bis nach Cairns zu einem Mechaniker zu bringen.
Stundenlang warteten wir 2 im Auto und als wir uns schon darauf vorbereitet hatten die bereits angebrochene Nacht hilflos im Auto zu verbringen kam endlich der Abschleppmann.
Selbstverständlich kommt ein Unglück selten allein, denn wir hatten uns den wohl ungünstigsten Tag des gesamten Jahres ausgesucht um in Australien eine Autopanne zu haben.
Es handelte sich um den Freitag vor dem australischen Nationalfeiertag schlechthin, dem Australia Day.
Dieser Tag fiel auf den folgenden Montag, was bedeutete dass an diesem Wochenende sogut wie niemand arbeiten würde. Der Abschleppmann telefonierte sich durch die gesamte Umgebung bis er schlußendlich einen Mechaniker ausfindig machen konnte der uns am nächsten Tag womöglich weiterhelfen könnte.
So wurden wir nach 8 Stunden warten, fluchen und verzagen endlich nach Cairns gebracht.
Nunja, nicht direkt, wir wurden in Edmonton abgesetzt, einem kleinen Vorort von Cairns.
Hier legten wir uns direkt neben dem größten Highway Australiens ins Auto und versuchten zu schlafen. Bei 45°im Auto war das alles andere als angenehm, aber wir konnten dennoch einschlafen.
Ich müsste lügen um eine genaue Zeit für das folgende Ereigniss festlegen zu können, aber Zeit spielte zu diesem Zeitpunkt eh keine Rolle.
Durch ein  kräftiges Klopfen an unsere Autoscheibe wurden Marvin und ich geweckt.
Wir setzten uns vors Auto und dachten über das Schlimmste nach.
Unser Aufenthaltsort war in einer ghettoähnlichen Region, voller betrunkener Ureinwohner, mitten in der Nacht, ohne Ahnung wo wir uns genau eigentlich befanden.
Die Chancen nicht verhauen und beklaut zu werden waren leider verschwindend gering.
Von Weitem sahen wir eine kleine Gruppe von Leuten unseren Alters auf uns zukommen.
Wie erwartet blieb die Gruppe neben uns stehen und sprach uns an.
“Hi, wie gehts? Warum schlafen ihr den hier im Auto?” “Wir hatten eine Panne, nichts besonderes, jetzt stehen wir hier wasweißichwo mit unserem gesamten Hab und Gut und warten dass der Mechaniker seinen Laden öffnet.”
“Ihr seid in Edmonton, nicht das in Kanada. Lasst mal sehen…….Aha, die Pumpe ist im Eimer und da ist eine Dichtung kaputt.”
Nachdem die Aussies ein wenig gefachsimpelt hatten wiesen sie uns darauf hin das der Mechaniker definitiv nicht öffnen wird und sollten wir jemanden finden der unser Auto reparieren kann dann würde diese Person aufgrund des Australia Days wohl 3mal soviel Geld wie üblich verlangen.
Hier nochmal die Fakten; wir hatten ein Auto welches nicht funktionierte, wir waren in einem Ort von dem wir nur wussten dass er nicht in Kanada liegt, der Mechaniker vor dem wir uns befanden würde sein Türchen nicht für uns öffnen, es würde unwahrscheinlich schwer werden einen Mechaniker zu finden der überhaupt einen Blick in unser Auto werfen würde und selbst wenn wir dieses Wunder verbringen könnten, müssten wir wahrscheinlich eine lächerlich hohe Summe dafür zahlen.
Solche dramatischen Tiefschläge gibt es sonst nur im Hollywood-Kino.
Dwayne, ein junger Mann aus der besagten kleinen Gruppe, schien dieses Dilemma zu bemerken und tat etwas womit keiner von uns beiden gerechnet hatte und was ich für meinen Teil, im Nachhinein immernoch unglaublich finde.
Er bot uns an bei ihm zu wohnen bis der Australia Day vorrüber war und wir Hilfe zu einem fairen Preis bekommen könnten.
Auch solche Wendungen kennt man sonst nur aus Hollywood-Filmen.
Nur wenige Meter neben der Mechanikerwerstatt befand sich sein Haus, in welchem er mit seiner schwangeren Freundin Sam und seinem Kumpel Rob lebte.
Wir schoben unseren BuBu in seinen Vorgarten und verschwanden in seinem Gartenhaus, wo wir bis zum Sonnenaufgang erzählten, Bier tranken und eine Menge Spaß hatten.
Gegen 7 Uhr morgens begann Dwayne seine sämtlichen Kontakte anzurufen um uns schnellstmöglich Hilfe zu beschaffen.
Es gelang ihm einen Mechaniker zu organisieren der unser Auto unter die Lupe nahm und uns mitteilen konnte wo das Problem lag.
Der Motorkopf unseres armen BuBu war verbogen, die Wasserpumpe gebrochen und ein paar Schläuche waren nichtmehr intakt.
Als ich mich nach diesen Ereignissen am Nachmittag des 24.01.09 bei Dwayne im Wohnzimmer auf die Chouch zum Schlafen legte, ging mir nur eines durch den Kopf.
Wie würde ich an seiner Stelle handeln? Wie würden andere Leute die ich kenne an dieser Stelle handeln?
Immer mehr wurde mir unser wahnsinniges Glück im Unglück bewusst.
Was Dwayne an diesem Tag für uns tat, werde ich bestimmt mein Leben lang nicht vergessen.
Wie es danach weiter ging werde ich euch im nächsten Eintrag berichten, ihr dürft gespannt sein.
bis dahin, schöne Grüße nach Deutschland und lasst’s euch gut gehen