Archiv für Februar 19th, 2009

19.02.09 - Barfuß im Regenwald

Um euch nicht länger auf die Folter zu spannen werde ich nun sogleich mit meinen Erzählungen fortfahren.
Wie im letzten Bericht beschrieben lebten wir also bei Dwayne, seiner Freundin Sam und Rob.
Das Australia Day Wochenende verging wie im Flug und schon bald konnten wir unser Auto zu einem der nahegelegenen Mechaniker bringen, welcher uns einen fairen Überblick über eventuelle Kosten geben konnte.
Wir erfuhren dass die Reparatur jedoch eine Menge Zeit beanspruchen würde, und so luden uns Dwayne und Co., mit denen wir uns mittlerweile immer besser verstanden (sowohl sprachlich als auch freundschaftlich), noch eine Weile in ihr Haus ein.
Die Tage vergingen und schnell gehörten wir im “Bruce Highway 59″ zum Inventar.
Wir lernten Dwaynes Freundeskreis kennen und hatten eine Menge Spaß mit all den abgedrehten Aussies.
Eines Nachts begann es sehr stark zu regnen, so dass der Großteil Dwaynes Gartens unter Wasser stand.
Fix wurden Surfboards organisiert und wir bekamen eine kurze Einführung in das sogenannte Skim-Boarding.
Prinzipiell schmeißt man ein Surfbrett in falches Wasser, rennt hinter er, springt drauf und schlittert ein Paar Meter durch den Dreck. Was nach Spaß klingt, ist in Wirklichkeit auch Spaß.
Verbessert wurde das ganze noch durch ein Auto mit Seil, an welchem man sich festhalten sollte um so noch schneller durch den Dreck gezogen zu werden. Nach einigen Stürzen und Fehlversuchen hatten wir den Dreh schon ganz gut raus. So verbrachten wir eine weitere Woche bei unseren australischen Freunden.
Am folgenden Wochenende war große Party bei einem von Dwaynes Kumpels angesagt, selbstverständlich war Team Germany auch am Start.
Der besagte Kumpel hatte einen Farmbesitz weit außerhalb der Stadt, hier war man ganz ungestört und konnte theoretisch machen was man wollte. Nachdem die Biervorräte auffällig dezimiert wurden fiel das Wort “Scurfing” in die Runde. Wieder hatten Marvin und ich keine Ahnung von was für einer Sportart die Rede war, aber das interessierte eh niemanden.
In Windeseile wurden 2 Autos und ein Boot vorbereitet und schon ging die Fahrt los, durch kalten Regen und unzählige Zuckerrohrfelder fuhren wir zu einem nahegelegenen Fluß und liessen das Boot zu Wasser.
Scurfing basiert darauf sich auf ein kleines Surfboard zu legen und sich dann an einem Seil festzuhalten welches von einem Boot durch das Wasser geschliffen wurde.
Auf die Frage ob es in dem Fluß Krokodile geben würde bekamen wir nur die Antwort. “Lange keins gesehn.”
So schauten wir uns eine Weile das Treiben in dem womöglich krokodilbewohnten Gewässer an.
Aber wenn du in Australien bist (und genug Bier intus hast), tu es wie die Australier.
Mit diesem Gedanken pellte ich mich aus meinen Klamotten und erklärte mich zum Scurfing bereit.
Alles ging sehr schnell, kaum lag ich auf dem Board startete das Boot schon mit Vollgas.
Marvin stand mit einer dürftigen kleinen Lampe am Ufer und hielt nach Krokodilen ausschau während ich durch das Wasser geschliffen wurde.
Meine Sorgen über die eventuelle Gefahr dieser Aktion, gehörten schnell der Vergangenheit an.
6 Stunden verbrachten wir im strömenden, kalten Regen bis wir endlich wieder zur Farm zurückkehrten.
Zurück in Dwaynes Haus wurde uns berichtet dass der Regen wohl für eine ganze Weile nicht aufhören würde, aber dass war uns egal, ohne Auto könnten wir eh nirgendswo hin.
Nach fast 2 Wochen im Haus unserer Retter, mit denen wir unzählig viel Spaß hatten, bekamen wir endlich unseren treuen, alten Klapper-BuBu zurück.
Pechlicherweise gab es auch schon die nächsten schlechten Nachrichten mit denen wir uns befassen konnten.
Aufgrund des starken, anhaltenden Regens in den letzten Tagen waren weiter Teile nördlich und südlich von Cairns überflutet, also blieben wir kurzerhand noch eine weitere Woche bei Dwayne, Sam und Rob, die sich darüber sehr freuten.
An dieser Stelle möchte ich verraten dass wir in Innisfail ein junges Paar aus Zittau kennengelernt hatten, welche uns baten sie auf unserem Weg nach Süden mitzunehmen.
Nicole und Andreas, die etwa in unserem Alter sind, arbeiteten auch eine Ewigkeit in Innisfail um sich dort das benötigte Reisegeld zu verdienen.
Unser Ursprungsplan sah vor, dass wir die Beiden auf unserem Rückweg vom Regenwald in Innisfail einsammelten und dann gemeinsam nach Süden düsten.
Da wir nun aber schon eine ganze Menge Zeit in Cairns eingebüst hatten und die beidenn es nichtmehr im öden Innisfail aushielten, wollten sie sich unserer Fahrt in den Dschungel anschliessen.
Mit dem Bus wollten sie uns bis nach Cairns folgen und dann dort warten bis der Weg nach Norden wieder befahrbar wäre. Die schlechten Wetterbedingungen machte eine Busfahrt von Innisfail nach Cairns leider unmöglich. Unmöglich? Dieses Wort kennen 2 bestimmte Dessauer (deren Reisetagebuch ihr in diesem Moment lest) leider nicht. Die Fahrt nach Innisfail und zurück, um die beiden zu holen war zwar alles andere als einfach, aber nicht unmöglich, nach 4 Stunden waren wir wieder zurück in Dwaynes Hütte, wo Bier und Party auf uns warteten.
In der selben Nacht hörte der Regen auf und nur 2 Tage später schien die Fahrt nach Daintree, dem Regenwald den wir seit 3 Wochen besichtigen wollten, machbar.
Wenige Autofahrtstunden später sahen wir uns mit einem Fluß konfrontiert den wir problemlos mit einer Fähgre passieren konnten. Von nun an fühlte man sich tatsächlich wie im Jurassic Park. Gewaltige Pflanzen drangen sich eng nebeneinander und erlaubten kaum Einsicht in den Urwald. Auf einer kleinen Straße rollte unser fahrbarer Untersatz, vorbei an Flüssen, Seen und Bäumen, welche unnatürlicher kaum wirken könnten.
Die Gewissheit überall von Krokodilen und anderen gefährlichen Lebewesen umgeben zu sein, machte die Fahrt zu einem echten Abenteuer. Am Ende der Straße fanden wir uns in Cape Tribulation wieder, einer Stadt die man eher als Dschungelcamp bezeichnen könnte, hier verbrachten wir die Nacht in einem nicht-billigem Hostel.
Am nächsten Tag versuchte ich früh aufzustehen, aber mein Vorsatz misslang.
Gegen Mittag verabschiedeten wir uns wieder von Cape Tribulation und fuhren ein wenig durch die Gegend. Schnell fanden wir einen Fluß, weit ab von der Straße, der bei den tropischen Temperaturen unwiederstehlich zum Baden einlud. Ein kurzer Blick nach Krokodilen und schon schwangen wir uns ins kühle Nass.
Nach ausgiebiger Plantscherei, wollten wir nun aber endlich unsere heißersehnten Krokofreunde sehen.
Also fuhren wir ein Stück weiter südlich, zum Croco-Express.
An Bord eines kleinen Schiffchens tuckerten wir den Daintree River entlang. Der Bootsman berichtete uns von einem tragischen Unglück, welches sich wenige Tage zuvor hier ereignet hatte.
Beim Spielen auf einem verlassenen Steg wurde ein 5-jähriger Junge von einem Krokodil gerissen. Die Behörden suchten nun nach dem Tier. Gemütlich trieb unser Boot den Fluß entlang und schon bald verloren wir an Fahrt und hielten neben einem Baum der sehr weit ins Wasser ragte. Fehlalarm. Der Bootsman zeigte uns hier nur eine Black-Adder, eine pechschwarze Baumschlange die sich zwischen den Ästen des Baumes entspannte.
Weiter ging die Fahrt. Die Augen aufs Wasser gerichtet sahen wir alles, außer Krokos.
Als wir uns schon fast mit unserem Pech abgefunden hatten hielt das Boot erneut. Diesmal konnte man zwischen hohen Gräsern tatsächlich ein junges Krokodil am Ufer des Flußes liegen sehen. Einige Meter weiter sahen wir ein zweites, kleineres, welches ebenfalls am Ufer zu schlafen schien.
Die Fahrt ging weiter, durch eine Landschaft die man sonst nur aus Dschungelfilmen kennt.
An einer Flußgabelung trafen wir auf ein weiteres Exemplar. Das 2,5m Weibchen versuchte sogar unser Boot zu verscheuchen und anzugreifen. Zu unserem Bedauern war die Fahrt an ihrem Ende angekommen, aber die Sichtungen hatten sich mehr als gelohnt.
Zurück bei BuBu, der von alldem nicht viel mitbekam, nahmen wir wieder Fahrt nach Süden auf.
Wieder in Cairns mieteten wir uns in ein Hostel ein, denn wir hatten noch 1 großen Plan hier oben, den es zu erfüllen gab.
Aber davon werde ich euch erst im nächsten Beitrag berichten, womit ich dann hoffentlich die letzten 2 Monate komplett aufgeholt haben werde.

bis dahin;
schöne Grüße an alle, uns geht es gut und euch hoffentlich auch, man liest sich