Archiv für Juli, 2009

14.07 - Austraneuseejapahongkotisch

Es ist soweit, nach beinahe 10 Monaten ist es wirklich soweit.
Wir sind am Ende unserer Reise angekommen.
Zuallererst möchte ich eine Vorhersage machen, das letzte geschriebene Zeichen wird ein . sein und das letzte Wort wird “lesen” lauten.
Nun aber zum Wesentlichen.
Während ich diese Worte tippe sitzen Marvin und Ich mitten im International Airport von Doha.
Das ist eine stinkreiche Stadt im stinkreichen Ölstaat Katar im nahen Osten, wo nachts um 11 immer noch beträchtliche 34°C vorherrschen. Dies ist keine weitere Überrachungsstation auf unserer kleinen Weltreise, sondern der finale Zwischenstopp, wo wir auf unseren Anschlußflug nach Berlin Tegel warten.
Hergekommen sind wir mit Qatar Airways, der einheimischen Fluggesellschaft, welche ich an dieser Stelle als das beste Fliegerunternehmen unserer kompletten Reise hervorheben möchte.
Laut einer offiziellen Statistik gehört Qatar Airways zu den 6 besten Fluggesellschaften der Welt, welche eine 5 Sterne-Auszeichnung vorweisen können.
Während unseres 7,5 stündigen Fluges mangelte es uns an nichts.
Wir konnten uns mit einem umfangreichen Film- und Musikprogramm die Zeit vertreiben und bekamen sogar 2 mal eine sehr gute, warme Mahlzeit serviert. Der Sitzkomfort war sehr angenehm und auch die Crew war stehts bemüht einem mit Decken, Getränken und anderen Kleinigkeiten auszuhelfen.
Die Leser, welche nun denken, dass dies Standard auf Langstreckenflügen ist, irren sich gewaltig.
Unser 7 stündiger Flug von Sydney nach Tokio war alles andere als angenehm.
Zu Beginn des Fluges bekamen wir eine 300ml Flasche mit Mineralwasser und die musste dann auch bis zum Ziel reichen. Essen und andere Getränke hätten lediglich zu wirklich sehr überteuerten Preisen erstanden werden können.
Von Komfort und Unterhaltungsmöglichkeiten war keine Spur.
Auf den anderen Flügen erfuhren wir auch häufig einen Service, der nur grade so an das Nötigste grenzte.
Bevor ich nun aber vollends abschweife möchte ich lieber unsere Zeit in HongKong Revue passieren lassen.
Wer unseren Lebensweg kennt, der weiss dass wir schon vor etwa 2 Jahren diese großartige Stadt besucht hatten.
Damals verliessen wir HongKong mit dem Gefühl, die schönste Stadt der Welt gefunden zu haben.
Beim zweiten Besuch planten wir doppelt soviel Zeit ein wie zuvor.
Untergekommen sind wir diesmal in einem der günstigsten Hostels der Stadt.
Einige Menschen fänden unsere Unterkunft garantiert gewöhnungsbedürftig, aber die meisten würden wahrscheinlich nichteinmal einen Fuß in die Gemäuer setzen in denen wir die letzten 9 Tage lebten.
Von außen sah man dem Haus nicht an dass es für touristische Zwecke genutzt wurde.
Das große, versiffte Gebäude hatte 2 Eingänge. Einer war unmittelbar neben einem “Grillstand” bei dem Tierteile und andere Sachen gegrillt wurden, während das Wasser der Klimaanlagen direkt darauf herab tropfte und neben der zweiten Tür wurde während unseres Aufenthalts ein Passant von einem Zementblock erschlagen.
Seine wahre Schönheit enthüllte des Haus erst von innen.
Wir bekamen ein Zimmer im 6. Stock, welches eigentlich nur ein Zimmer in einer Wohnung war, welche sich im 6. Stock befand.
Inklusive Bad hatte unser Zimmer etwa 8m². Knappe 2 Meter von der Tür bis zur gegenüberliegenden Wand und dann noch etwa 4 Meter von der linken bis zur rechen Wand.
Darin befanden sich 2 Betten, welche eindeutig 10cm zu kurz für uns waren und selbstverständlich eine Badzelle.
Von diesem Bad werden wir garantiert noch in 50 Jahren erzählen.
Auf einer Fläche von 2m² hatten wir alles was man brauchte, ein Waschbecken, eine Toilette, eine Dusche, welche direkt über der Toilette hing und Wasserboiler, welcher direkt hinter der Dusche hing und Stehplatz auf dem man sich sogar mit wenig Aufwand umdrehen konnte.
Schon nach der ersten Nacht konnte man in unserem Zimmer buchstäblich nicht mehr treten.
Selbstverständlich machte uns all das nichts aus, im Gegenteil.
Gewöhnt an unbequeme Miniautos waren die Betten alles was wir brauchten um zufrieden zu sein.
Hatte ich schon erwähnt dass unser Zimmer kein Fenster hatte?
Nun aber genug mit Erzählungen die schlimm klingen, aber eigentlich toll waren.
In der zeit die wir in HongKong verbrachten unternahmen wir sehr viel.
Wir besuchten eine nahegelegene sitzende Buddhastatue, welche als größte ihrer Art gilt und schauten uns insgesamt 4 Mal die sogennante Symphonie des Lichtes an, durch welche wir uns schon vor 2 Jahren in HongKong verliebten.
Fast 40 der bedeutendsten Gebäude der Stadt führen hierbei zu einer großartigen Musik eine unbeschreibliche Show aus Licht und Laser auf, welche zurrecht im Guiness Buch der Weltrekorde eingetragen ist.
Wiedereinmal konnten wir nicht genug von der unbeschreiblich schönen Aussicht über den Fluß bekommen.
Wenn man allein von dieser Aussicht ausgeht, dann ist HongKong in unseren Augen nachwievor die schönste Stadt der Welt. Schaut man bei Tage jedoch etwas genauer hin und bedenkt das Verhalten der Einwohner dann drängt sich in unserer Liste eher Tokio auf Platz 1.
Wenn man als Europäer/Amerikaner/Nicht-Asiat durch HongKong schlendert wird man zwangsläufig mit Leuten konfrontiert, welche versuchen einen auf penetrante Art zum Kaufen irgendwelcher Produkte zu bringen.
Überall stehen Inder die einem gefälschte Rolex Uhren, billige Anzüge und manchmal auch ihre Töchter andrehen wollen. Daneben befinden sich meist größere Gruppen von Chinesen, welche einem versuchen Werbezettelchen zu geben, die man sowieso nicht lesen kann.
Sollte man den Fehler begehen und solch ein Werbezettelchen annehmen, wird man schnell verfolgt und in ein gespräch verwickelt. Es geht nur ums Geschäft.
Eines schönen Tages, bei dem das Wetter fast schon unangenehm heiss erschien, wanderten wir durch eine Straße in MongKok, einem der Stadtteile HongKongs und mein Blick fiel auf den Werbezettel eines jungen Chinesen.
Im Vorbeigehen war ich der Überzeugung in deutscher Sprache “Hundehaare” auf dem Papier gelesen zu haben.
Selbstverständlich blieb ich nicht stehen um einen näheren Blick zu erhaschen, weil dies schnell in nerviger Kommunikation enden könnte, aber im Nachhinein gefällt mir der Gedanke dass in einer kleinen Seitenstraße in HongKong ein junger Chinese steht und Werbezettel verteilt, die Hundehaare anpreisen.
Schöne heile Welt.
An dieser Stelle nähert sich dieser Beitrag nun seinem Ende.
Fast 10 Monate sind seit meinem ersten Eintrag in unser Tagebuch vergangen.
10 Monate in denen wir uns der Natur gestellt haben.
Wir machten das Wasser im Great Barrier Reef zu unserem Zuhause, flogen frei durch den Himmel über Byron Bay, überlebten im Outback be Hitze und Trockenheit, spazierten barfuß durch den immergrünen Urwald, spielten im Schnee in Neuseeland und trafen auf Tiere in freier Wildbahn, welche manche Menschen nichteinmal im Zoo zu Gesicht bekommen.
10 Monate in denen wir häufig über uns hinaus gewachsen sind.
10 Monate in denen wir unheimlich viele Menschen kennenlernten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
10 Monate die uns bis ans Ende unseres Lebens prägen werden.
10 Monate in denen ich mich nicht ein einziges Mal rasiert habe und keiner merkts, oder ist es euch etwa aufgefallen?
10 Monate die man nur mit einem Wort beschreiben kann “austraneuseejapahongkotisch” oder einfach nur “einzigartig”.
Da bleibt nur noch eines zu klären.
Unser tiefster Dank geht an all die Personen die diesen Ausflug finanziell und organisatorisch möglich gemacht haben.
Ebenfalls geht unser Dank und Gruß an alle Verwandten, Freunde, Bekannten, Leute die uns nichteinmal kennen und unsere Abenteuer trotzdem verfolgen und Regierungsmitarbeiter die kontrollieren ob ich hier illegale Texte veröffentliche.
Ohne euch wäre dieses Unternehmen entweder nicht möglich oder zumindest nur halb so schön gewesen.
In diesem Sinne möchten wir uns nun von euch, den Lesern unseres Tagebuches verabschieden und letztmalig für das anhaltende Interresse bedanken.

Mit freundlichsten Grüßen und besten Wünschen für euch alle
Marvin und Daniel

Auf Wiedersehen, bis zu dem Tag an dem wir uns erneut lesen.

 

05.07 - Durch den Monsun

Hallo liebe Freunde, Familienmitglieder, Bekannte und Leute die sich bloß in der Addresszeile vertippt haben.
In meinem letzten Beitrag habe ich mich mehr oder weniger bedeckt gehalten was unseren neuen Aufenthaltsort anbelangt.
Da es einige schon wissen und wir mittlerweile eh wieder woanders sind möchte ich selbstverständlich das Geheimniss nicht länger ungelüftet lassen.
Wie beschrieben reisten wir in das wohl seltsamste Land unseres Planeten, so haben Marvin und ich uns das jedenfalls vorgestellt.
Und wir hatten Recht.
Die letzten 5 Tage verbrachten wir …*Trommelwirbel*… in Tokio!!!
Ja, liebe Personen, welche ich schon in der Begrüßungszeile angesprochen habe, auch wir staunten nicht schlecht.
Wir befanden uns in einem Land von dem man viele Vorstellungen hat und ich muss klar und deutlich sagen, alle sind war.
Tokio war wie ein einziger großer Zirkus, fast überall war man mit kunterbunten Blinkelichtern, Musik und einem haufen Menschen konfrontiert.
Als war am 29.06 im offiziell günstigsten Hostel der Stadt unterkamen hatten wir keine Ahnung von dem was uns erwarten würde.
Den späten Abend verbrachten wir mit einer ersten Erkundungstour durch Minami, dem Gebiet wo sich unser Hostel befand.
Da in Japan sehr wenig Menschn Englisch sprechen drängt sich die Frage auf wie wir uns verständigt haben.
Die Einwohner Japans verstanden uns nicht, aber das war kein Problem, denn wir verstanden sie auch nicht.
Mit Händen, Bildchen und allerlei komischer Grimassen kamen wir in der gesamten zeit jedoch sehr gut klar.
Am folgenden Morgen standen wir sehr früh auf und begannen unsere wirkliche Erkundungstour.
Vorerst kamen wir bis zum National Museum, welches so früh leider noch nicht geöffnet war.
Eine Karte voller kryptischer Zeichen betrachtend wurden wir dann von einem netten älteren Japaner überrascht.
In sehr gutem Englisch fragte er uns ob wir Hilfe bräuchten, so kamen wir ins Gespräch.
Während wir mit ihm durch den anliegenden Park spazierten erzählte er uns ein wenig über die japanischen Gewohnheiten. Um diese frühe Uhrzeit hätte kaum etwas in Japan geöffnet und derartige Museen seien sowieso mehr Schein und Täuschung für die Touristen.
In einer kleinen Bahnhofsstation lud er uns dann zum Tee ein.
Ungefähr eine Stunde unterhielten wir uns mit ihm über allerlei Themen und wir lernten sehr viel über das Leben in Japan, besonders in Tokio und bekamen sehr gute Ideen welche Stadtteile man besuchen sollte und welche nicht.
Im Anschluß wanderten wir dann bis nach Akihabara, der sogennanten “Elektrostadt”.
Was man hier nicht an Elektrischen Geräten findet, gibt es nicht.
Von hier aus ging es weiter südlich nach zur Tokyo Station, dem Hauptbahnhof Tokyos, welcher in seiner Größer sehr imposant wirkt.
Ohne rast liefen wir dann weiter, immer weiter bis zum Kaiserlichen Palast, wo vor vielen Jahrhunderten die Herrscher Japans lebten.
Von hier aus konnten wir in der ferne schon eines der berühmtesten Wahrzeichen erblicken, den Tokyo Tower.
In windeseile bahnten wir uns unseren Weg zu dem 330m hohen Fernsehturm.
Viele Fotos später machten wir uns dann auf nach Ginza, dem Modeviertel Tokyos, wo alle großen und teuren Modefirmen eine Filliale haben.
Langsam dämmerte es auch schon wieder, aber das sollte uns nicht vom Weiterwandern abhalten.
Mit aller Gemütlichkeit ging es dann zurück Richtung Norden, über Akihabara wollten wir zum Tokyo Dome gelangen, dem Heimstadion der örtlichen Baseball Mannschaft.
Während wir durch weniger bunte und kleine Seitengassen liefen, um Weg zu sparen, staunten wir plötzlich nicht schlecht. Vor uns befand sich ein Gebäude mit einem großen Loch, durch welches seltsame Stahlträger verliefen.
Als wir näher herankamen konnten wir erkennen dass es sich tatsächlich um eine Achterbahn handelte die mitten in Tokyo durch ein Haus geht und direkt nebenan stand eine riesige Kuppel, der bereits erwähnte Tokyo Dome.
Hier entschlossen wir uns dann langsam zum Hostel zurück zu kehren.
Insgesamt lagen wir an diesem Tag gute 45km zu Fuß zurück, dementsprechend leicht hätten wir auch schlafen können, aber eines hielt uns davon ab.
Via Internet kann man sich eine Maße japanischer -Shows ansehen, welche durch ihren Abstraktheit sehr populär sind und wir mussten feststellen dass solche Sendungen tatsächlich sehr verhäuft im japanischen Fernsehen vertreten sind.
Erst sangen Männer im Britney Spears Kostüm japanische Volkslieder, dann wurde eine menschliche Pyramide auf einem Holzbrett auf Sprungfedern gebaut und plötzlich wurde versucht die Moderatoren, welche als seltsame Tiere verkleidet waren mit einer übergroßen Schaumstoffkeule auf den Kopf zu hauen.
Wir bekamen sehr wenig Schlaf in dieser Nacht.
Am nächsten beschlossen wir unsere Ausflüge lieber durch Bahnfahrten zu vereinfachen.
Vormittags besuchten wir Shibuya, das kunterbunte Shoppingviertel Tokyos, hier bekommt man vorallem poppige Klamotten, welche niemand in Europa tragen würde ohne ausgelacht zu werden, aber diese Mode ist in Japan durchaus normal.
Von hier aus fuhren wir nach Shinjuku, dem Verwaltungs- und Businessviertels.
Umringt von gewaltigen Wolkenkratzern, in denen Regierungschefs und Bosse großer Firmen ihre nächsten Schritte planen, bahnten wir uns unseren Weg zum Metropolitan Government Building, von dessen Aussichtsplattform man einen atemberaubenden Blick auf die umliegende Stadt hat.
Als Abschluß schauten wir noch im Stadtteil Ikebukoru, dem Unterhaltungsgebiet Tokyos, vorbei.
Überall vernimmt man das rasseln und klappern der Glücksspielmaschinen und Spielautomaten.
Bereits am frühen Abend begaben wir uns zurück in unser Tokio Hotel, wo wir ordentlich Schlaf nachholten.
Die folgenden Tage gestalteten wir immer sehr spontan, denn aufgrund des wechselhaften Wetters waren Planungen kaum möglich.
Am 05.07 hiess es dann auch schon wieder Abschied nehmen, von der scheinbar kuriosesten Stadt die wir bisher bereist haben.
Wiedereinmal verbrachten wir einige Stunden auf dem Flughafen bis wir zu einem unserer letzten Flüge antraten.
Nach einem sehr turbulenten Flug, finden wir uns nun, nach fast 2 Jahren, wieder in HongKong wieder, aber davon werde ich im nächsten Bericht erzählen.