14.07 - Austraneuseejapahongkotisch
Geschrieben in Doha am 14.07.2009 um 04:02 von danielEs ist soweit, nach beinahe 10 Monaten ist es wirklich soweit.
Wir sind am Ende unserer Reise angekommen.
Zuallererst möchte ich eine Vorhersage machen, das letzte geschriebene Zeichen wird ein . sein und das letzte Wort wird “lesen” lauten.
Nun aber zum Wesentlichen.
Während ich diese Worte tippe sitzen Marvin und Ich mitten im International Airport von Doha.
Das ist eine stinkreiche Stadt im stinkreichen Ölstaat Katar im nahen Osten, wo nachts um 11 immer noch beträchtliche 34°C vorherrschen. Dies ist keine weitere Überrachungsstation auf unserer kleinen Weltreise, sondern der finale Zwischenstopp, wo wir auf unseren Anschlußflug nach Berlin Tegel warten.
Hergekommen sind wir mit Qatar Airways, der einheimischen Fluggesellschaft, welche ich an dieser Stelle als das beste Fliegerunternehmen unserer kompletten Reise hervorheben möchte.
Laut einer offiziellen Statistik gehört Qatar Airways zu den 6 besten Fluggesellschaften der Welt, welche eine 5 Sterne-Auszeichnung vorweisen können.
Während unseres 7,5 stündigen Fluges mangelte es uns an nichts.
Wir konnten uns mit einem umfangreichen Film- und Musikprogramm die Zeit vertreiben und bekamen sogar 2 mal eine sehr gute, warme Mahlzeit serviert. Der Sitzkomfort war sehr angenehm und auch die Crew war stehts bemüht einem mit Decken, Getränken und anderen Kleinigkeiten auszuhelfen.
Die Leser, welche nun denken, dass dies Standard auf Langstreckenflügen ist, irren sich gewaltig.
Unser 7 stündiger Flug von Sydney nach Tokio war alles andere als angenehm.
Zu Beginn des Fluges bekamen wir eine 300ml Flasche mit Mineralwasser und die musste dann auch bis zum Ziel reichen. Essen und andere Getränke hätten lediglich zu wirklich sehr überteuerten Preisen erstanden werden können.
Von Komfort und Unterhaltungsmöglichkeiten war keine Spur.
Auf den anderen Flügen erfuhren wir auch häufig einen Service, der nur grade so an das Nötigste grenzte.
Bevor ich nun aber vollends abschweife möchte ich lieber unsere Zeit in HongKong Revue passieren lassen.
Wer unseren Lebensweg kennt, der weiss dass wir schon vor etwa 2 Jahren diese großartige Stadt besucht hatten.
Damals verliessen wir HongKong mit dem Gefühl, die schönste Stadt der Welt gefunden zu haben.
Beim zweiten Besuch planten wir doppelt soviel Zeit ein wie zuvor.
Untergekommen sind wir diesmal in einem der günstigsten Hostels der Stadt.
Einige Menschen fänden unsere Unterkunft garantiert gewöhnungsbedürftig, aber die meisten würden wahrscheinlich nichteinmal einen Fuß in die Gemäuer setzen in denen wir die letzten 9 Tage lebten.
Von außen sah man dem Haus nicht an dass es für touristische Zwecke genutzt wurde.
Das große, versiffte Gebäude hatte 2 Eingänge. Einer war unmittelbar neben einem “Grillstand” bei dem Tierteile und andere Sachen gegrillt wurden, während das Wasser der Klimaanlagen direkt darauf herab tropfte und neben der zweiten Tür wurde während unseres Aufenthalts ein Passant von einem Zementblock erschlagen.
Seine wahre Schönheit enthüllte des Haus erst von innen.
Wir bekamen ein Zimmer im 6. Stock, welches eigentlich nur ein Zimmer in einer Wohnung war, welche sich im 6. Stock befand.
Inklusive Bad hatte unser Zimmer etwa 8m². Knappe 2 Meter von der Tür bis zur gegenüberliegenden Wand und dann noch etwa 4 Meter von der linken bis zur rechen Wand.
Darin befanden sich 2 Betten, welche eindeutig 10cm zu kurz für uns waren und selbstverständlich eine Badzelle.
Von diesem Bad werden wir garantiert noch in 50 Jahren erzählen.
Auf einer Fläche von 2m² hatten wir alles was man brauchte, ein Waschbecken, eine Toilette, eine Dusche, welche direkt über der Toilette hing und Wasserboiler, welcher direkt hinter der Dusche hing und Stehplatz auf dem man sich sogar mit wenig Aufwand umdrehen konnte.
Schon nach der ersten Nacht konnte man in unserem Zimmer buchstäblich nicht mehr treten.
Selbstverständlich machte uns all das nichts aus, im Gegenteil.
Gewöhnt an unbequeme Miniautos waren die Betten alles was wir brauchten um zufrieden zu sein.
Hatte ich schon erwähnt dass unser Zimmer kein Fenster hatte?
Nun aber genug mit Erzählungen die schlimm klingen, aber eigentlich toll waren.
In der zeit die wir in HongKong verbrachten unternahmen wir sehr viel.
Wir besuchten eine nahegelegene sitzende Buddhastatue, welche als größte ihrer Art gilt und schauten uns insgesamt 4 Mal die sogennante Symphonie des Lichtes an, durch welche wir uns schon vor 2 Jahren in HongKong verliebten.
Fast 40 der bedeutendsten Gebäude der Stadt führen hierbei zu einer großartigen Musik eine unbeschreibliche Show aus Licht und Laser auf, welche zurrecht im Guiness Buch der Weltrekorde eingetragen ist.
Wiedereinmal konnten wir nicht genug von der unbeschreiblich schönen Aussicht über den Fluß bekommen.
Wenn man allein von dieser Aussicht ausgeht, dann ist HongKong in unseren Augen nachwievor die schönste Stadt der Welt. Schaut man bei Tage jedoch etwas genauer hin und bedenkt das Verhalten der Einwohner dann drängt sich in unserer Liste eher Tokio auf Platz 1.
Wenn man als Europäer/Amerikaner/Nicht-Asiat durch HongKong schlendert wird man zwangsläufig mit Leuten konfrontiert, welche versuchen einen auf penetrante Art zum Kaufen irgendwelcher Produkte zu bringen.
Überall stehen Inder die einem gefälschte Rolex Uhren, billige Anzüge und manchmal auch ihre Töchter andrehen wollen. Daneben befinden sich meist größere Gruppen von Chinesen, welche einem versuchen Werbezettelchen zu geben, die man sowieso nicht lesen kann.
Sollte man den Fehler begehen und solch ein Werbezettelchen annehmen, wird man schnell verfolgt und in ein gespräch verwickelt. Es geht nur ums Geschäft.
Eines schönen Tages, bei dem das Wetter fast schon unangenehm heiss erschien, wanderten wir durch eine Straße in MongKok, einem der Stadtteile HongKongs und mein Blick fiel auf den Werbezettel eines jungen Chinesen.
Im Vorbeigehen war ich der Überzeugung in deutscher Sprache “Hundehaare” auf dem Papier gelesen zu haben.
Selbstverständlich blieb ich nicht stehen um einen näheren Blick zu erhaschen, weil dies schnell in nerviger Kommunikation enden könnte, aber im Nachhinein gefällt mir der Gedanke dass in einer kleinen Seitenstraße in HongKong ein junger Chinese steht und Werbezettel verteilt, die Hundehaare anpreisen.
Schöne heile Welt.
An dieser Stelle nähert sich dieser Beitrag nun seinem Ende.
Fast 10 Monate sind seit meinem ersten Eintrag in unser Tagebuch vergangen.
10 Monate in denen wir uns der Natur gestellt haben.
Wir machten das Wasser im Great Barrier Reef zu unserem Zuhause, flogen frei durch den Himmel über Byron Bay, überlebten im Outback be Hitze und Trockenheit, spazierten barfuß durch den immergrünen Urwald, spielten im Schnee in Neuseeland und trafen auf Tiere in freier Wildbahn, welche manche Menschen nichteinmal im Zoo zu Gesicht bekommen.
10 Monate in denen wir häufig über uns hinaus gewachsen sind.
10 Monate in denen wir unheimlich viele Menschen kennenlernten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
10 Monate die uns bis ans Ende unseres Lebens prägen werden.
10 Monate in denen ich mich nicht ein einziges Mal rasiert habe und keiner merkts, oder ist es euch etwa aufgefallen?
10 Monate die man nur mit einem Wort beschreiben kann “austraneuseejapahongkotisch” oder einfach nur “einzigartig”.
Da bleibt nur noch eines zu klären.
Unser tiefster Dank geht an all die Personen die diesen Ausflug finanziell und organisatorisch möglich gemacht haben.
Ebenfalls geht unser Dank und Gruß an alle Verwandten, Freunde, Bekannten, Leute die uns nichteinmal kennen und unsere Abenteuer trotzdem verfolgen und Regierungsmitarbeiter die kontrollieren ob ich hier illegale Texte veröffentliche.
Ohne euch wäre dieses Unternehmen entweder nicht möglich oder zumindest nur halb so schön gewesen.
In diesem Sinne möchten wir uns nun von euch, den Lesern unseres Tagebuches verabschieden und letztmalig für das anhaltende Interresse bedanken.
Mit freundlichsten Grüßen und besten Wünschen für euch alle
Marvin und Daniel
Auf Wiedersehen, bis zu dem Tag an dem wir uns erneut lesen.